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11.03.2017

FDP-Kreisverband Köln

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"Kratzen, beißen und an den Haaren ziehen"

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„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender
Wenn Kinder aufeinander losgehen, ruft immer einer: „Aber nicht kratzen, beißen und an den Haaren ziehen!“ Der türkische Präsident Recep Erdogan ist doch mit drei Brüdern und einer Schwester aufgewachsen. Haben die ihm das nicht beigebracht? Dann wüsste er: Wenn trotzdem einer kratzt und beißt, werden die anderen extrem sauer. Gerade geht es mir so. Ich bin wütend auf die Türken, also auf die ministeriellen. Nazi-Vergleiche und Dauerbeschimpfung gehen gar nicht. Schluss damit, Recep!

Was haben wir uns in den letzten Wochen alles anhören müssen vom Bosporus-Imperator: Wir träten die Menschenrechte mit Füßen, wendeten Nazi-Praktiken an, faschistisches Vorgehen, schlechtes Benehmen. Aus Berlin nur Appeasement. Dabei verbietet das türkische Gesetz Politikern, Wahlkampf im Ausland zu machen. Was treiben eigentlich die deutschen Botschaftsangestellten in Ankara? Ist deren Hirn mit Dürüm verklebt? Ich meine, warum reiben wir den Türken ihre eigenen Gesetze nicht schon lange unter die Nase?

So wütet Erdogan weiter: „Wenn ich will, komme ich morgen. Ich komme, und wenn ihr mich nicht hereinlasst oder mich nicht sprechen lasst, dann werde ich einen Aufstand machen, ich werde die ganze Welt aufmischen." Wow, gleich die ganze Welt? Erinnert mich auch irgendwie an Kinder und ihre Allmachtfantasien. Manno, Reci, Du bist doch schon 63, werd‘ erwachsen!

Mich besorgt die begeisterte Reaktion vieler in Deutschland lebender Türken. Die deutsch-türkische Bloggerin Tuba Sarica schrieb kürzlich: „Junge Menschen mitten in Deutschland werden anti-deutsch, anti-christlich und anti-semitisch erzogen“. Die große sunnitisch-muslimisch geprägte Community nehme in relevanten Teilen eine abweisende Haltung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft ein. Und noch deutlicher: „Die meisten Deutschtürken aus meinem Umfeld und darüber hinaus sind deutschenfeindlich. Punkt aus.“

Gar keine Frage, jede Menge Fehler gab es auch von deutscher Seite, aber eben auch jede Menge Demonstrationen deutscher Bürger gegen Islamfeindlichkeit und für den Bau von Groß-Moscheen – siehe Köln oder Duisburg. Halal-Würstchen gehören mittlerweile zur Sankt-Martins-Feier und das Birlikte-Fest ins Kölner Kulturleben oder Türkei-stämmige Abgeordnete in unsere Parlamente. Tausend kleine Brückenschläge. Erdogan sägt gerade, ritzeratze, voller Tücke in die Brücke eine Lücke.

Und nun auch noch zum wiederholten Mal das Verbot für deutsche Abgeordnete, unsere Bundeswehrsoldaten auf dem Stützpunkt in der Türkei zu besuchen. Ist zwar was anderes, als Wahlkampf für einen Demokratieabschaffer zu machen, aber ey, du kommst hir net rein, pöbelt Türsteher Recep. Nur als Touristen, da hätte er die Deutschen ganz gern. „Unsere Freunde aus Deutschland können sicher sein, mit offenen Armen und aller Gastfreundschaft aufgenommen zu werden“, schleimte der türkische Tourismus-Minister Avci auf der ITB in Berlin. Wir fahren aber, ätsch, lieber nach Spanien oder Italien. Ich muss nämlich, frei nach Erich Kästner, von dem Kakao, durch den man mich zieht, nicht auch noch trinken oder so…

Maren Friedlaender

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