NRW-Innenminister Wolf setzt bei der WM auf ein abgestuftes Konzept
Das Land NRW ist auch in Sachen Sicherheit gut auf die WM vorbereitet, betont Innenminister Ingo Wolf. Mit ihm sprach Wilfried Goebels.
Frage: Die Sorge vor Gewalttätigkeiten bei der Fußball-WM wächst. Wie wollen Sie in NRW Ausschreitungen verhindern?
Wolf: Ohne Zweifel ist die Gewährleistung der Sicherheit bei diesem Turnier die Hauptaufgabe der Polizei. Klar ist: Fußball-Chaoten haben keine Chance, Störungen werden nicht geduldet, die Polizisten werden sie konsequent unterbinden. Wir setzen etwa szenekundige Polizisten und uniformierte ausländische Polizeibeamte ein, die ihre Pappenheimer ganz genau kennen. Durch ein abgestuftes Konzept der Beobachtung und Ansprache signalisieren sie den Hooligans: Ihr seid erkannt.
Frage: Wie viele deutsche Hooligans gibt es?
Wolf: Unsere Spezialisten haben in der bundesweiten Datei „Gewalttäter Sport“ rund 7000 deutsche Personen registriert, von denen 2100 bei Spielen in NRW aufgefallen sind. Seit der Fußball-WM 1998 hat die Polizei ihre Maßnahmen intensiviert, Gewalttäter an der Anreise zu internationalen Spielen im Ausland zu hindern. Das geht hin bis zu Meldeauflagen und Ingewahrsam-Nahmen. Wir erwarten, dass viele Länder erkannte Gewalttäter an der Ausreise hindern.
Frage: Die Gesetze lassen das nicht in jedem Land zu, oder?
Wolf: In diesen Fällen brauchen wir von den dortigen Behörden personenbezogene Daten potenzieller Störer. Außerdem erhalten wir Hinweise auf Reiserouten, Reisemittel, Unterkünfte und mögliche Aktivitäten von Gewalttätern. Diese Täter können nicht einfach in der Masse untertauchen.
Frage: Ein Viertel der 64 WM-Spiele findet in Köln, Dortmund und Gelsenkirchen statt. Sind Sie vorbereitet?
Wolf: Natürlich gibt es auch Risiken. Die NRW-Polizei besitzt aber bundesweit die größten Erfahrungen bei Fußballeinsätzen. Deshalb wurde das nationale deutsche Konzept der Polizeieinsätze unter Leitung von NRW-Polizeibeamten erstellt. Auch international genießen unsere Fachleute einen guten Ruf. Seit 1992 unterstützen und beraten wir ausländische Kollegen regelmäßig vor Ort bei Welt- und Europameisterschaften sowie wichtigen Fußballspielen. Zuletzt waren wir bei der WM in Japan und Korea sowie bei der Fußball-WM in Portugal im Einsatz.
Frage: Viele Städte planen den Aufbau großer TV-Leinwände. Sehen Sie Sicherheitsrisiken?
Wolf: Es gibt Hinweise, dass so genannte Public-Viewing könnte zu gewalttätigen Ausschreitungen missbraucht werden. In der Balance von Freiheit und Sicherheit werden wir das Risiko aber deutlich verringern. Es gibt Sicherheitsregeln zur Einfriedung der Gelände für TV-Leinwände, Beschränkungen der maximalen Besucherzahl, Zugangskontrollen, Regeln für den Alkoholausschank, Rettungswege und Ordnereinsatz. Die Polizei führt verdeckte und offene Einsätze durch, um schon beim Entstehen gewalttätiger Auseinandersetzungen einzugreifen. Wir wollen einen störungsfreien Verlauf aller Veranstaltungen in NRW. Gerade, weil die Kartenwünsche nicht erfüllt werden können und viele Besucher auch ohne Ticket anreisen werden, wird die öffentliche TV-Übertragung ganz wesentlicher Bestandteil für das Gelingen der WM sein.
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