Menschen, die auf Straßen essen

"...oder so" - die Kolumne von Maren Friedlaender

06.04.2019 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Meine erste Ohrfeige fing ich im Alter von sechs Jahren, als ich ein Kaugummi auf das Kieler Straßenpflaster spuckte. Wahrscheinlich versucht die Abfallwirtschaft meiner Heimatstadt noch immer, das inzwischen zementierte Teil zu entfernen. Was man heutzutage vom Straßenpflaster kratzen könnte, ist ungleich vielfältiger: zähe Käsereste von der Take-away-Pizza, angebissene Pommes mit Ketchup-Garnitur, zertretene Kartoffelchips, aufgeplatzte Erdnusstüten, schmierige Pizzakartons, fettige Tüten mit Majo-Sauce, Unübersichtliches vom China-Take-away.

Gegessen wird nicht mehr, was auf den Tisch kommt, sondern was auf die Hand passt. Und zwar unterwegs. Menschen, die auf Straßen essen, gehören zum Kölner Stadtbild. Das ist nicht immer schön. Wenn die Schülerkolonne des benachbarten Irmgardis-Gymnasiums jeden Mittag zum Rewe zieht und Haribo kauend, Joghurt schlappernd und Cola trinkend zurückkehrt, macht man sich nicht nur Sorgen um die Fettleibigkeit – auch die Esskultur geht hier gerade mit der „Quattro-Stagioni“-Fütterung aus der Pappschachtel unter. Was da alles beim Lästern über den Mathelehrer aus den Mündern purzelt, macht nicht gerade Appetit. „Das große Fressen“! - War mal so ein französischer Kultfilm in den 70ern.

Ich persönlich hab`s noch gern am Tisch, weshalb ich jetzt – ein wenig kopfschüttelnd über die modernen Zeiten - meine Bratkartoffeln mit Roastbeef anrichten gehe. Das Fleisch habe ich beim Metzger um die Ecke gekauft und gleich noch eine Lektion bekommen. „Ist ein exzellentes amerikanisches Rind. Machen Sie sich keine Sorgen – da hat der Trump seine Finger nicht dran gehabt.“ Große Weltpolitik an der Metzgertheke. Wer das nicht will, weiß seit dem Obama-Besuch in dieser Woche, wo man sich in Köln amerikanisches Fastfood einfahren kann. Für alle, die es lieber mit Lokalkolorit haben, gibt es alternativ das Kochbuch: „Kölsche Küche - Kochen mit dem Thermomix“ – ist angesichts der Menschen, die auf Straßen essen ein kultureller Sprung nach ganz weit vorn oder so …

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Maren Friedlaender

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