"Beim Friseur"

„…oder so“ – die Kolumne von Maren Friedlaender

03.10.2015 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Jede Woche eine Kolumne: Da kommt der Tag, an dem einem rein gar nichts einfällt. Ebbe im Kopf. Aber das ist kein Problem. Ich gehe dann schnell an den Kiosk, kaufe mir „Bild“ oder „Express“ und schon purzelt dem Kolumnisten ein Thema in den Schoß. Meistens. Wenn das nicht klappt, mache ich einen Spaziergang durch die Schildergasse. Die Welt ist voller Merkwürdigkeiten: Zwischen gepiercten, tätowierten, bodygebildeten, gebotoxten und auf Handys starrenden Menschen findet sich meist einer, der eine besondere Erwähnung verdient.

Wenn das alles nichts bringt, gibt es noch die totsichere Aktion: Ich gehe zum Friseur. Allein die Auswahl an bunten Blättern: Cosmopolitan, Frau im Spiegel, Gala, Bunte - ein unerschöpflicher Fundus an Stories: „Sofia von Schweden: Warum so ein unförmiger Mantel?“. „Kim Kardashian: Will sie ihren Sohn wirklich so nennen?“ Wer ist Kim Kardashian? Egal, man kann nicht alles wissen. „Sophia Thomalla: Hoppla, plötzlich nennt sie einen anderen ‚Love‘!“ „George Clooney: Im Bett mit Cindy Crawford.“ – Ja, das sind die Dinge, die die Welt bewegen. Oder auch: „Diät: So werden Sie ohne Kohlenhydrate satt.“ Ob das klappt? Hungrig möchte ich auf jeden Fall nicht sterben.

Beim Föhnen habe ich mich bereits durch alle Traumpaare-Geschichten und Diätvorschläge durchgeackert, greife zum „Spiegel“ und lese von: „Emotionszertifikaten“. Toll, denke ich, das ist mal eine Erfindung, die die Welt verändern wird. Emotionen sind vollkommen ungleich verteilt. Ich, zum Beispiel, bin ein schlimmer Choleriker. Die mir zustehenden Wutanfälle habe ich regelmäßig zur Jahresmitte aufgebraucht. Nun liegt gerade eine echte Scheißwoche hinter mir, aber Null Anspruch auf einen Wutausbruch, nicht mal einen klitzekleinen. Ich wäre froh, wenn ich an der Handelsbörse zusätzliche Emotionszertifikate ersteigern könnte.

Vielleicht hat Angela Merkel ein paar übrig. Die ist immer so bewundernswert gelassen, obwohl sie sicher auch mal eine Scheißwoche hat. Oder Jürgen Roters: Den OB lassen Kölner Wahlschlamassel und Operndesaster vollkommen ungerührt. Auch Jochen Ott kommt mir überwiegend gut gelaunt vor. Erstaunlich. Ich bin gespannt, ob die SPD-Granden nach der Wahl am 18. Oktober weiterhin ungebrochen vergnügt sind. Oder werden da einige Genossen ein Emotionszertifikat für einen saftigen Wutausbruch benötigen? Sorry, bei mir ist nichts zu holen.

Vielleicht bei Thomas de Maizière nachfragen. Der Mann wirkt cool in allen Krisen und kann bestimmt einige Zertifikate erübrigen. Oder Putin – der schaut höchstens mal etwas verkniffen, anders als einer seiner Vorgänger: Sie erinnern sich, wie Chruschtschow einst wütend mit seinem Schuh auf dem Tisch hämmerte. Ein Großabnehmer für Emotionszertifikate.

Als ich so richtig in Schwung war mit meinen Gedanken zu dieser genialen Erfindung, las ich weiter in dem Artikel und bemerkte meinen kleinen Fehler: Upps, das Wort heißt ja „Emissionszertifikate“. Schade eigentlich: Emotionszertifikate – einfach genial.

Trotzdem: Der Gang zum Friseur war doch wieder ein voller Erfolg. Kolumne steht. Haare einen Zentimeter kürzer. Jede Woche kann ich das aber nicht machen.

Also wirklich, ich Dummi - Emotionszertifikate…

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