"Der Dreck muss weg!"

„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender

18.07.2015 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Mit Abstand sieht man manches besser. Wahrscheinlich wurden deshalb Ferien erfunden. Wegfahren und bloß keine Zeitung lesen - wegen geistiger Entschlackung. Bei Rückkehr wundert man sich jedes Jahr neu, wie wenig die Welt sich verändert hat. Besser wird eh nichts, schlechter meist auch nicht. Irgendwie ist alles beim alten. Themen? Immer noch Griechenland, IS und die Kölner Treppe. 

Ich fahre im Sommer nach Schweden. Das ist vom Kölner Dom aus betrachtet, ganz weit oben. Im Juni und Juli ist es dort immer hell. Die Sprache hat viele fröhliche „Ös“. Ein gewisses Möbelhaus duzt alle Menschen in munterem Ton - etwas plump vertraulich vielleicht. Als guter Gast sehe ich über solche Kleinigkeiten hinweg. Und – jetzt kommt’s: Bei Schwedens ist es viel sauberer als zu Hause, also nicht bei mir, ich meine zu Hause an Neu- und „Alter Markt“.

Keine Ahnung, wie die das in Stockholm und Uppsala machen. Vielleicht gehen Bürgermeister dort nachts heimlich kehren, wie einst die Heinzelmännchen von Köln. Warum die nicht mehr kommen, wissen wir ja. Vielleicht sind sie jetzt in Ödeshög, Örebro, Jönköping oder Malmö. Könnte auch sein, dass fröhliches Fegen dort ein Mittsommernachts-Vergnügen ist. Wenn es nie richtig dunkel wird, kommt man auf die merkwürdigsten Ideen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Schweden einen König hat? Vielleicht halten Könige mehr Ordnung im Land. Nicht, dass ich Herrn Gauck die Schuld gebe, aber es ist auffällig, dass auch unsere westlichen Nachbarn ihre Städte besser putzen. Bekanntlich herrschen dort ebenfalls Königs. Sorry, herrschen heißt das nicht mehr: Könige werfen ihren mal milden, mal strengen Blick auf die Bürger. Maastricht, Lüttich – dort spürt man die Freude an einer adretten Umwelt. Geht doch!

Warum nicht bei uns? Warum türmt sich der Dreck der Wochenend-Partys in den Kölner Straßen, vor allem die Überreste der Fastfood-Industrie? Majo-verklebte Pommes in rötlichen Ketchup-Pfützen fließen auf bräunlicher Kölsch-Suppe gen Rhein. Ja, ich weiß, klingt eklig. Aber da gibt es nichts zu beschönigen.

Hoffentlich läuft’s besser mit der neuen Treppe am Deutzer Rheinufer. Das Theater kennen wir doch in den Mietshäusern. „Wer hat diese Woche Treppe?“ So dröhnt es demnächst dann auch durchs Rathaus. Die ABW – ich weiß, aber die will jährlich 860.000 Euro dafür. Viel Geld – da überlege ich, ob ich nicht vielleicht selbst… Aber diese Woche ist der OB dran: Der hat bei der Eröffnung schließlich zu 1.000 Eistütchen eingeladen. 

„Der Dreck muss weg!“, plakatierte die FDP im letzten Kommunalwahlkampf. Recht hat sie! Und wer zahlt dafür? Ich sag mal: Verursacherprinzip! Räumt den Saustall selbst auf, Ihr Party-Pänz oder blecht dafür! Das muss richtig weh tun. Der Chef des Kölner Grünflächenamtes lobt zwar nachsichtig den guten Willen der Bürger: Die bösen Raben seien schuld am städtischen Unrat. Raben, Herr Kaune? Doch wohl eher die Dreckspatzen. Gut, wenn demnächst eine Frau in unserer Stadt aufräumt. Stereotypes Frauenbild? Egal, ich freue mich auf eine Oberbürgermeisterin.

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