"Köln ist nicht Posemuckel – oder doch?"

„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender

20.06.2015 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Eine politische Partei funktioniert ein bisschen wie eine Familie. Hinter verschlossenen Türen wird kräftig gefetzt, aber nach außen: alles bestens, eitel Sonnenschein. Und so zeigt die SPD zurzeit schönste Einigkeit: großes Verständnis für die Absage der Ausstellung „Breaking the Silence“ durch OB Roters.

Doch worum geht es hier eigentlich? Ein Zusammenschluss israelischer Soldaten, die das Vorgehen ihrer Streitkräfte gegen die Palästinenser kritisieren. Dazu sollte im Herbst eine Ausstellung in der Kölner Volkshochschule stattfinden. Soweit alles in Ordnung, wenn, ja wenn der Anlass nicht die Feier der 50-jährigen deutsch-israelischen Beziehungen wäre. Dass ist in etwa so, als ob sich ein Ehepaar anlässlich der Goldenen Hochzeit die Verfehlungen der letzten Jahrzehnte vorhielte. Herzlichen Glückwunsch!

Nun also Absage, wo eine Zusage für diesen Termin besser nie erteilt worden wäre. Man hätte sich viele Peinlichkeiten erspart. Ja, zur Ausstellung, nur bitte nicht zur Feier des Freundschaftsfestes. Eine Millionenstadt ist nicht Posemuckel. In einer Millionenstadt gibt es offizielle Anlässe und hohe Besuche, jede Menge Ereignisse, die ein wenig diplomatisches Fingerspitzengefühl verlangen. Genau daran hat es hier gefehlt. Und nicht zum ersten Mal. 

Ich erinnere mich an den Besuch des amerikanischen Botschafters im letzten Jahr zum „Town Hall Meeting“. S.E. John B. Emerson empfing 300 Kölner Schüler in der Rathaus-Piazetta, um mit ihnen zu diskutieren. Oberbürgermeister Roters erschien nicht zur Begrüßung des hohen Gastes im eigenen Haus. Bestimmt reist er durch China oder ist sonst wo in der Welt unterwegs, dachte ich mir und fragte beim Protokoll nach. Doch, doch, der OB sei im Haus, teilte mir die Protokollchefin mit, zurzeit nur gerade verhindert. - Wichtigeres zu tun? Was hielt den OB wohl ab, den Botschafter des immer noch wichtigsten Landes der Welt zu begrüßen? Unterschriften auf Ehrenurkunden setzen? Ein zweites Frühstück einnehmen? Und übrigens: Wo war noch gleich der deutsche Firmensitz der Ford-Werke?

Nach der Diskussion mit den Schülern empfing die Stadt im sogenannten Muschelsaal. Klingt eigentlich gut. Der Raum ist aber auch nicht mehr das, was er mal war. Von der einstigen Pracht ist wenig übrig geblieben. Ein paar riesige Esstische standen noch, vielleicht von einem Koalitionsbuffet am Vorabend. In dem Platz dazwischen wurden Seiner Exzellenz und den wenigen Versprengten schlappe Brötchen serviert. Ob denn der OB noch komme, fragte ich ein zweites Mal. Ja, sobald er Zeit habe. Um es kurz zu machen: OB Roters kam nicht. Was mag sich der höchste US-Vertreter in Deutschland gedacht haben? Und das ca. 70 Jahre nach der Befreiung Kölns durch amerikanische Soldaten. Seine Exzellenz lächelte freundlich - hohe diplomatische Schule!

Köln sollte nicht wie Posemuckel regiert werden. Dabei möchte ich der kleinen und sicher sehr ehrenwerten Gemeinde in Polen nicht unrecht tun, aber: Köln ist eine Millionenstadt, Köln muss sich in der Welt als Metropole präsentieren. Zeit für einen Wechsel.

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