Quo vadis Colonia?

04.05.2011 Meldung Rotonda Business-Club

Podiumsgespräch mit den Fraktionsvorsitzenden des Kölner Rats

Ausbau des Godorfer Hafens, Umzug der Fachhochschule, Oper und Musical, Querung der Rheinuferstraße, Masterplan und die Attraktivität von Politik im Allgemeinen sowie den Parteien im Besonderen – es war eine reichhaltige Themenpalette, die im Rotonda Business-Club beim traditionellen Spitzengespräch mit den Kölner Fraktionsvorsitzenden durchdekliniert wurde. Bei aller Unterschiedlichkeit und Differenz wurde bei der lebhaften Debatte mit Winrich Granitzka (CDU), Ralph Sterck (FDP), Barbara Moritz (Bündnis 90/Grüne) und Susana dos Santos Herrmann (SPD), die für den kurzfristig aus persönlichen Gründen verhinderten Fraktionschef Martin Börschel auf dem Podium saß, deutlich, mit wie viel Energie und Engagement sich die ehrenamtlichen Politiker für Köln einsetzen.

Aber vielleicht ist gerade dies auch die Schwachstelle der Kommunalpolitik und so wurde unter der bewährten Moderation des RBC-Chefs Andreas Grosz sowie des Journalisten Constantin Graf von Hoensbroech denn auch die Frage aufgeworfen, in wie weit sich gerade eine Millionenstadt wie Köln eine Kommunalpolitik leisten kann, die wesentlich vom Zusammenspiel und der inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen hauptamtlichen Verwaltungsmitarbeiten und ehrenamtlichen Mitgliedern des Stadtrats bestimmt wird.

Dass es nicht zuletzt dadurch um die Außendarstellung Kölns nicht zum Besten bestellt ist, wissen auch die vier Fraktionschefs, die bei allen und gerade für die Galerie mitunter hübsch anzusehenden Kontroversen deutlich herausstellten, dass über 90 Prozent aller Entscheidungen im Rat der Stadt von allen gemeinsam mitgetragen werden. Einig waren sich die vier Parteivertreter auch in der Auffassung, dass in der regionalen Zusammenarbeit und Anbindung Kölns an die Region sowie umgekehrt noch viele Potenziale liegen. „Köln muss seine Metropolenfunktion mutig wahrnehmen, ohne andere platt zu machen“, betonte dos Santos Herrmann und wünschte sich auf die Frage „Quo vadis Colonia?“ zudem den Ausbau des Wissenschaftsstandortes sowie die Stärkung des sozialen Zusammenhalts.

Winrich Granitzka hofft hingegen auf kräftige Impulse für die rechtsrheinische Stadtentwicklung sowie auf Synergien zwischen den Messegesellschaften Köln und Düsseldorf: „Da besteht die Möglichkeit zu regionaler Zusammenarbeit in einem europäischen Zusammenhang.“ Auf tragfähige regionale Strukturen setzt auch Ralph Sterck, der darüber hinaus endlich die Entwicklung des Deutzer Hafens voranbringen will: „Dieses Areal ist ein Filetstück, dass sich sehr attraktiv gestalten lässt.“ Barbara Moritz schließlich gab sich als „noch konservativer als die CDU“ zu erkennen und setzt vor allem auf eine rasche Aufwertung des Domumfelds im Osten sowie die Umgestaltung des Rathausplatzes. „Der lässt sich nun wirklich nicht mit dem Rathausumfeld anderer deutscher und europäischer Städten vergleichen. Wir brauchen da dringend die archäologische Zone und das jüdische Museum.“

Autor: Constantin Graf von Hoensbroech

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