"An Tagen, wie diesen…"
„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender
11.07.2015 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Es ist gar nicht so leicht, als Mensch bei Laune zu bleiben. Morgens um 8 Uhr im Wartezimmer beim Zahnarzt springt mich der Satz an: „Darf ich meine Mutter töten?“ Titelseite der Illustrierten „Stern“. Sowas muntert unheimlich auf. Toller Start in den Tag. Die Tageszeitung informiert mich darüber, dass die Österreicher seit Neuestem ganz progressiv vorangehen und männliche Küken in den Legebatterien jetzt nicht mehr gleich nach der Geburt töten. Das wusste ich gar nicht, dass die sofort umgebracht werden. Das ist ja grauenvoll.
Hühnerfleisch esse ich sowieso nicht. In einem Film habe ich mal gesehen, dass ein Huhn sein kurzes Leben vom Ei, über das Dasein als Küken, bis hin zur Entfederung und Enthauptung quasi nur auf dem Fließband verbringt. Von einem so unglücklichen Tier möchte ich nichts in mir haben. Die sind doch voll von Stresshormonen. Stress habe ich genug eigenen, da brauche ich nicht zusätzlich noch den Hühnerstress. Schweinefleisch nehme ich schon lange nicht mehr zu mir – wegen der ganzen Antibiotika. Im Kalbfleisch sind die auch drin – ist deshalb ebenfalls von der Speisekarte gestrichen. Und ob im Gemüse noch irgendetwas Gesundes steckt, weiß man nicht. Nach all dem künstlichen Düngen und Besprühen mit Schädlingsvernichtern.
Bio? Bei dem Wort geht bei mir gleich das Alarmlämpchen an. Ich stelle mir immer vor, wie so ein Cleverle die Zehnerpackungen Eier bei Aldi einkauft und sich, als Bauer verkleidet, auf den Biomarkt stellt. Da vertickt er die dann einzeln für 60 Cent das Stück. Weißbrot verursacht angeblich Darmkrebs (die armen Franzosen!) und Schwarzbot Blähungen, so lese ich auf der Gesundheitsseite einer Zeitschrift. Ich hatte mir doch geschworen, die Gesundheits-Rubriken auf ewig zu ignorieren. Für Hypochonder sind die der Tod.
Die T-Shirts sind von Kinderhänden in Bangladesh gefertigt. Und die prachtvollen Rosen auf dem Markt - im Zweifelsfalle aus Äthiopien, wo sie, ebenfalls von Kindern, mit Insektenvernichtungsmitteln besprüht wurden. Wie sich das auf die Entwicklung der Heranwachsenden auswirkt, möchte ich mir nicht vorstellen.
Der Stau auf dem Kölner Militärring kostet mich eine halbe Stunde. Auf der Autobahn lese ich auf einem Plakat: „Einer fährt, drei sterben.“ Ist wohl die neueste Kampagne des Verkehrsministers. Die bringt mich nicht auf frohe Gedanken. Ich sitze übrigens allein im Auto und müsste einsam aus dieser Welt scheiden. Ach ja…, - das stimmt mich nun wirklich melancholisch.
Gott sei Dank habe ich noch einen Termin beim Friseur. Ein strahlendes Brautpaar lächelt mich an.
„Märchenhochzeit“, titelt die „Bunte“. „Der schwedische Prinz und das Bikini-Model: Ihre Liebe hat gesiegt!“ Da bin ich aber froh. Kann doch noch ein guter Tag werden. Und heute Abend dann: „Kölner Lichter“!





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