"Verkehrsnachrichten"

„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender

16.04.2016 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Zu Böhmermann sag ich nichts, der soll seine etwas trübe Suppe selbst auslöffeln. Aber ich bin für Satirefreiheit, maximal. Deshalb werde ich ihm, falls er im Gefängnis landet, den Apfel-Streuselkuchen mit eingebackener Säge dort persönlich vorbeibringen. Herrn Erdogan schenke ich einen Yogakurs.

Ansonsten war ich die Woche verreist. Die Kundenbefragung meines Berliner Hotels war noch vor mir in Köln. Die meinten, ich könne die Beantwortung in fünf Minuten erledigen. Airberlin ließ auch nicht lange auf sich warten: „Wir laden Sie daher ein, unsere Leistungen und die Erfahrungen Ihrer letzten Reise mit uns in einer Online-Befragung zu bewerten. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich die Zeit (ca. acht Minuten) nehmen usw.“

Die Werkstatt, bei der ich mein Auto in Reparatur hatte, forderte gar zehn Minuten zur Beurteilung ihres Kundenservices. Hiiiilfe! Glauben die, ich zähle den ganzen Tag die Blümchen auf meinen Vorhängen? Aber wehe, man hat wirklich eine Beschwerde, weil der Wasserhahn im Hotelzimmer die ganze Nacht tropfte oder die Reparaturkosten für den Kleinwagen nahe am Anschaffungspreis lagen. Das wollen sie dann nicht hören.

Schade eigentlich, dass Kirchen keine Kundenbefragung machen. Das fände ich wiederum ganz gut: Waren Sie mit der auferlegten Buße einverstanden oder fanden Sie die zu hart? Mussten Sie in der Schlange für die Kommunion warten - wenn ja, wie lange? Gefiel Ihnen die Predigt am Sonntag? Kreuzen Sie an: Gut, schlecht, geht so?

Da kann die hohe Geistlichkeit noch was lernen. Die hauen ihre Sachen raus ohne irgendeine Evaluation. Das neueste päpstliche Schreiben zu Ehe und Familie: 300 Seiten, um den Gläubigen die „Freude der Liebe“ zu erklären: „Amoris Laetitia“. „Sexualität ist ein Geschenk Gottes“ meint der Heilige Vater. Woher er das weiß? Keine Ahnung. Er ist dem Zölibat verpflichtet, also auch der Keuschheit, denn außerehelicher Sex ist im katholischen Glauben eine Sünde. So habe ich es gelernt. Ich will nicht sagen, dass ich deshalb ausgetreten bin, aber ich fand es immer schon schräg, dass Geistliche so gern über den Geschlechtsverkehr reden, von dem sie doch eigentlich nichts verstehen dürften. 300 Seiten, also wirklich. Umfangreicher als das Kamasutra.

Apropos Verkehr. Es reden auch andere Leute über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. In Köln, zum Beispiel, werden gerade zwei Verkehrsgroßprojekte geplant. Die Kreuzung Militärringstraße / Luxemburger Straße soll so umgebaut werden, dass der Verkehr dort besser abfließt. Just zur selben Zeit muss die Berrenrather Straße verschönert werden. Sie ist allerdings die Ausweichstrecke, wenn es auf der Luxemburger eng wird.

Klaus Harzendorf, Leiter des Amts für Straßen- und Verkehrstechnik, bleibt gelassen. Das Bauvorhaben an der Luxemburger Straße beginnt sicher später, meinte er. Planfeststellungsverfahren dauerten doch immer länger als kalkuliert. Da spricht ein Mann mit echter Fachkompetenz. Wir planen, aber am Ende ist sowieso alles anders. Wirklich - in Sachen Verkehr brauchen wir mehr Kundenbefragung, in jeder Hinsicht oder so…

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