"Weihnachten und Wildpinkeln"

„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender

28.11.2015 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Morgen 1. Advent. Wirklich morgen erst? Gefühlt weihnachtet es doch seit Monaten. Printen und Stollen lagen schon im Spätsommer in den Regalen der Supermärkte oder wurden sie direkt gegen Ostereier und Schokohasen ausgetauscht? Nun also wird es ernst. Ab sofort benebeln uns von Weihnachtsmärkten herüberwabernde Glühweinwolken.

An den Ständen wird eine ganze Jahresproduktion aus Fernost feilgeboten: Krippenfiguren von malaysischen Herrgottsschnitzern hergestellt und lustige Weihnachtsmannmützen von Näherinnen in Bangladesch gefertigt. Nun auf den Köpfen der Jägertee trinkenden Besucher. Man weiß nicht mehr: Ist nun Karneval, Halloween oder Nikolaus. 

Der Weihnachtsrummel verhält sich umgekehrt proportional zur Gläubigkeit, um die es ja bekanntlich nicht so gut bestellt sein soll. Wenn man in der Tageszeitung liest, dass Kölner Weihnachtsmärkte als „Hot Spots“ angepriesen werden, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. An welchen Hot Spots finden denn am 24. Dezember die tollsten Mitternachtsmessen statt und worum geht es da nochmal?

Keine Frage, der Count-down läuft. 2015 neigt sich dem Ende zu. Arme Männer, die bekommen auf den letzten Metern noch eine volle Breitseite. Jetzt hat Daimler Chef Dieter Zetsche doch tatsächlich den Frauen attestiert, dass sie als Autofahrer umsichtiger seien. "Frauen sind in meinen Augen sehr gut - sowohl als Autofahrer als auch beim Einparken." Sagt Zetsche. Was hat ihn denn da geritten? Frauen gut beim Einparken. Das weiß doch jedes Kind, dass das nicht stimmt. Ganze Generationen lebten von Witzen über „Frauen und Einparken“. Kennen Sie den? „Warum können ältere Frauen schlechter einparken als jüngere? Im Alter lässt das Gehör nach.“ Und das soll jetzt alles nicht mehr wahr sein, Herr Zetsche?

Als sei dieser Tiefschlag aus Stuttgart nicht genug, wird nun auch noch an der letzten Männerbastion gerüttelt – dem Wildpinkeln. Die Deutsche Bahn hat sich etwas ganz Hinterhältiges ausgedacht. Genervt von den Männern, die im Parkhaus am Kölner Hauptbahnhof frei urinieren, hält die Bahn nun dagegen: mit einer Wand, die zurückpinkelt. Möglich macht dieses Wunder ein extrem feuchtigkeitsabweisender Lack. Durch den kommt der gegen die Wand gerichtete Strahl etwa im selben Winkel zum Absender zurück.

Finde ich gut. Viel Spaß, liebe Männer. Und bitte, eine kleine versteckte Kamera. Da hätten wir bei unserem nächsten Frauenabend ganz viel Freude. Schade nur, dass es die Täter nicht ohne Vorwarnung trifft. Die Bahn hat ein Warnschild angebracht: „Hier nicht pinkeln. Wand pinkelt zurück.“ Ist kein Witz. 

Übrigens: Besonders wild gepinkelt wird rund um die Weihnachtsmärkte. Nicht mal vor dem Dom haben die Glühweintrinker Respekt. Vom weihnachtlichen Anpinkeln angefressen, drohen die Fundamente wegzusacken oder so. Unser Weltkulturerbe in Gefahr. Lack, bitte auch dort. Lack überall. Ein Projekt für die ganze Stadt und dann heißt es: Köln pinkelt zurück. Schönes Motto für 2016. 

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