"Wirklich wählen"
„…oder so“ – die Kolumne von Maren Friedlaender
17.10.2015 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Ich freue mich so, ich darf morgen wählen, wirklich wählen. Wenn nicht wieder was dazwischen kommt, Verschiebung oder so. Dann gehe ich echt wählen und meine Stimme wird ausgezählt, genau und richtig gezählt, hoffentlich! Und ich sag das schon mal vorab: Jochen Ott bekommt meine Stimme nicht, überhaupt kein Jochen und auch kein anderer Mann.
Ich wähle eine Frau und die heißt nicht Neumeyer. Ja, die Gastronomin Sabine Neumeyer stellt sich ebenfalls zur Wahl, auch wenn sie bis vor kurzem dachte, dass der Job des Oberbürgermeisters ein Ehrenamt ist. Macht ja nichts. Jetzt weiß sie es, dass sie als Oberbürgermeisterin eine Verwaltung von 17.000 Leuten führen muss, auch dass sie 12.000 Euro bekäme, wenn die Kölner sie denn wählen täten. Da war Frau Neumeyer ganz überrascht und hat sich unheimlich gefreut über diesen Geldsegen. Und ihr Programm? Eine Skihalle für Köln. Sie meint, Köln brauchte das. Ich meine, dass Köln das genauso wenig braucht, wie den Karneval im Sommer - hatten wir ja auch schon in diesem Jahr.
Ich wähle auch nicht den Spaß-Bewerber Mark Benecke (Die Partei). An sich bin ich schon für Spaß, aber ich bin auch ein bisschen altmodisch und halte freie Wahlen für ein wichtiges und sehr ernst zu nehmendes Grundrecht, das sich gar nicht so viele Staaten dieser Welt gönnen. Schauen Sie mal auf den Globus und suchen Sie die Länder, in denen es freie Wahl gibt, echt freie Wahlen. Nicht solche, bei denen ein Staatscherge den Bürgern die Hand führt, Wahlen, bei denen es nur einen einzigen Kandidaten gibt, der dann 99,9 Prozent der Stimmen erhält.
Freie Wahlen, das ist schon was. Deswegen gehe ich immer wählen und ich habe kein Verständnis für Leute, die das nicht tun, mit was für Argumenten auch immer. Meistens meckern sie über die Unfähigkeit von Politikern. Na, dann nix wie los, Leute, versucht es doch selber mal! Ich meckere übrigens auch immer über die Politiker, aber ich gehe trotzdem zur Wahl.
Ich gebe meine Stimme in der alten Grundschule um die Ecke ab, die schon so komisch muffig roch, als ich dort vor 20 Jahren meinen Sohn einschulte. Auf den Tischen sind, glaube ich, immer noch die von ihm geritzten Kerben zu sehen und ich wünsche mir, dass mal irgendjemand diese Schule renoviert. Deswegen gehe ich auch wählen, damit sich etwas ändert.
Diesmal hält die grüne Stadtkämmerin Gabriele Klug als neue Wahlleiterin ein Auge darauf, dass meine Stimme im richtigen Töpfchen landet. Nicht so wie in Rodenkirchen, wo ein Jahr später nachgezählt werden musste. Nein, die Frau Klug, die wird schon auf das Kreuzchen auf meinem Stimmzettel aufpassen. Und wenn es eine Stichwahl gibt, dann gehe ich wieder hin. Und sollte etwas schief gehen und wir bekommen Neuwahlen, dann gehe ich auch hin, vielleicht ein bisschen Zähne knirschend, aber ich gehe hin, ganz ohne oder so….





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