Einrichtung eines kommunalen Bilanzkreismanagements – Prüfauftrag
Gem. Antrag Grüne-, CDU-, SPD-, Linke- und FDP/KSG-Fraktion im Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft
23.06.2026 Anträge FDP/KSG-Fraktion im Rat der Stadt Köln
Beschluss:
Der Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft beauftragt die Verwaltung, im Zuge der Weiterentwicklung der Energieversorgung städtischer Liegenschaften folgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Die Verwaltung prüft die bestehenden Verträge zum städtischen Strombezug sowie zur Vermarktung des aus Photovoltaikanlagen eingespeisten Stroms im Hinblick auf regulatorische Anpassungen, die die Einführung eines kommunalen Bilanzkreismanagements ermöglichen.
- Die Verwaltung führt Gespräche mit Kommunen, die bereits ein kommunales Bilanzkreismanagement etabliert haben oder dessen Einführung planen, mit dem Ziel einer Prüfung der Umsetzung in Köln. Darüber hinaus sollen Gespräche mit Dienstleistern geführt werden, die entsprechende Bilanzkreislösungen anbieten.
- Die Verwaltung wird gebeten zu prüfen, wie der Ausbau von Photovoltaik auf städtischen Liegenschaften über eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, etwa Nachrangdarlehen aus der Kölner Bevölkerung, finanziert werden kann (Bsp. Bonn-Invest) Solar). Die Verwaltung wird darüber hinaus gebeten, das Gespräch mit der RheinEnergie zu suchen und zu prüfen, unter welchen Rahmenbedingungen die Stadt den auf ihren Liegenschaften erzeugten Solarstrom innerhalb des städtischen Verbunds selbst nutzen und vermarkten könnte, einschließlich der Frage, welche organisatorische Form den größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen für den städtischen Haushalt sichert.
- Die Verwaltung prüft, wie hoch die möglichen Energiekosteneinsparungen mit den aktuell installierten eigenen PV-Anlagen sind, und welcher Benefit durch die Einführung eines Bilanzkreismanagements für die Stadt Köln entsteht. Dabei sind eventuelle zusätzlichen Kosten und Aufwendungen für den Betrieb eines Bilanzkreises und die PV-Strom Erzeugungskosten gegenüberzustellen.
- Die Ergebnisse der Prüfungen sollen dem Ausschuss für Klima, Umwelt und Grün sowie dem Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft vorgelegt werden.
Begründung:
Mit der zunehmenden Anzahl von Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden sowie sinkenden Einspeisevergütungen bei gleichzeitig steigenden Strompreisen gewinnt die Einrichtung städtischer Bilanzkreise zunehmend an wirtschaftlicher Attraktivität. Ein kommunales Bilanzkreismanagement bietet die Möglichkeit, die Strombezugskosten der Stadt nachhaltig zu senken und die Eigenstromnutzung zu erhöhen.
Zahlreiche städtische Gebäude verfügen aufgrund ihrer Lage, Statik oder Dachgröße nicht über geeignete Flächen für Photovoltaikanlagen, weisen jedoch einen kontinuierlichen Strombedarf auf. Gleichzeitig erzeugen andere städtische PV-Anlagen zeitweise Stromüberschüsse, die in das öffentliche Netz eingespeist werden und hierfür eine zunehmend geringere Vergütung erhalten. Ein kommunales Bilanzkreismanagement ermöglicht es, diese Stromüberschüsse bilanziell innerhalb des kommunalen Verbundes zu nutzen. Vereinfacht dargestellt fungiert der Bilanzkreis dabei als eine Art „Energie-Cloud“, über die der auf Gebäude A erzeugte Strom rechnerisch einem Verbraucher in Gebäude B zugeordnet wird. Auf diese Weise steigt der Anteil des selbst genutzten Stroms und die Autarkie der städtischen Energieversorgung.
Die Einbindung der Kölner Bevölkerung über Nachrangdarlehen eröffnet auch Bürgerinnen und Bürgern ohne Wohneigentum eine Möglichkeit zur Beteiligung an der städtischen Energiewende und entlastet zugleich den städtischen Haushalt bei den notwendigen Investitionskosten. Durch die optimierte Eigennutzung und Vermarktung des Solarstroms im städtischen Verbund verbleibt die Wertschöpfung innerhalb Stadt.
Kommunen wie Aachen, Düsseldorf oder Niederkrüchten setzen ein kommunales Bilanzkreismanagement bereits erfolgreich um. Deren Erfahrungen zeigen, dass durch eine verbesserte Eigenstromnutzung und optimierte Strombeschaffung eine spürbare Entlastung des kommunalen Haushalts erreicht werden kann. Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung ist jedoch die frühzeitige Prüfung bestehender Strom Liefer- und Einspeiseverträge im Hinblick auf ihre Vereinbarkeit mit einem kommunalen Bilanzkreismanagement.
Der Austausch mit Kommunen, die entsprechende Modelle bereits umgesetzt haben oder planen, sowie Gespräche mit spezialisierten Dienstleistern und der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate können eine schnelle, rechtssichere und effiziente Umsetzung in Köln unterstützen. Angesichts der angespannten Haushaltslage sind solche innovativen und praxiserprobten Lösungsansätze besonders geeignet, Klimaschutz und wirtschaftliche Vernunft miteinander zu verbinden.





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