Köln als Standort des Yad Vashem Education Centers – Verantwortung übernehmen, Antisemitismus bekämpfen und Erinnerungskultur stärken

Gem. Antrag Bündnis 90/Die Grüne-, CDU-, SPD-, Linke-, Volt- und FDP-/KSG-Fraktion im Rat

16.12.2025 Allgemeines FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln

Der Rat der Stadt Köln und die Verwaltung sollen sich im Rahmen der Aktuellen Stunde mit der geplanten Errichtung eines Yad Vashem Education Centers in Deutschland sowie mit der aktiven Bewerbung Kölns als besonders geeigneten und überzeugendener Standort für diese Einrichtung befassen und beraten, welche konkreten Schritte erforderlich sind, um diese Bewerbung gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen wirkungsvoll voranzubringen.

Begründung:

Die internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem steht weltweit für die Erinnerung an die Shoah sowie für die Verpflichtung, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und die Lehren aus dieser einzigartigen Menschheitskatastrophe wachzuhalten. Ihre Bildungsarbeit ist ein zentraler Pfeiler im Kampf gegen Antisemitismus, Hass und Geschichtsvergessenheit und stärkt damit die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.

Das Land Nordrhein-Westfalen pflegt seit vielen Jahren eine enge und vielfältige Partnerschaft mit Yad Vashem, insbesondere in den Bereichen Holocaust-Bildung, Wissenschaft und Kultur. Diese Zusammenarbeit ist Ausdruck des festen Willens des Landes, aus der Geschichte Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen. Sie wurde durch gemeinsame Absichtserklärungen – unter anderem 2014 sowie zuletzt 2025 – und durch die Arbeit der ehemaligen und amtierenden Beauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, nachhaltig bekräftigt und vertieft.

Vor diesem Hintergrund plant Yad Vashem erstmals die Errichtung eines „Yad Vashem“-Bildungszentrums außerhalb Israels, und zwar in Deutschland. Das Vorhaben wird durch die Bundesregierung unterstützt und war Gegenstand einer bundesweiten Machbarkeitsstudie, die in enger Abstimmung zwischen Yad Vashem und dem Bund durchgeführt wurde. Im Ergebnis wurden Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen in die engere Auswahl möglicher Standorte einbezogen.

Nicht zuletzt auf Initiative des stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Kölners Abraham Lehrer, wurde das Vorhaben vorangetrieben, erstmals ein Yad Vashem Education Center außerhalb Israels in Deutschland zu errichten. Sein Engagement unterstreicht die besondere Rolle Kölns als Ort lebendigen jüdischen Lebens, als Stadt gelebter Erinnerungskultur und als geeigneten Standort für eine international bedeutsame Bildungsstätte.

Damit eröffnet sich für Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit, einen nachhaltigen Beitrag zur Erinnerungskultur in Deutschland und Europa zu leisten und die langjährige Partnerschaft mit Yad Vashem in besonderer Weise zu vertiefen. Bereits im Juli 2023 hat das Land Nordrhein-Westfalen gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden von Yad Vashem seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, Standort für die geplante Bildungsstätte zu sein.

Als bevölkerungsreichstes Bundesland Deutschlands verfügt Nordrhein-Westfalen über eine außergewöhnlich dichte Bildungs- und Forschungslandschaft mit über 70 Hochschulen, zahlreichen Einrichtungen der Lehrerfortbildung, politischen Bildungseinrichtungen und Gedenkstätten. Hinzu kommen enge politische, gesellschaftliche und kulturelle Beziehungen zu Israel, die unter anderem durch das Israel-Büro des Landes Nordrhein-Westfalen in Tel Aviv gestärkt werden.

Innerhalb Nordrhein-Westfalens kommt Köln dabei eine besondere Bedeutung zu. Als größte Stadt des Landes vereint Köln historische Verantwortung, eine lebendige jüdische Gegenwart sowie eine leistungsfähige Bildungs- und Wissenschaftslandschaft in besonderer Weise. Jüdinnen und Juden prägen die Stadt nachweislich seit über 1.700 Jahren maßgeblich mit und sind auch heute ein selbstverständlicher und hochgeschätzter Teil der Stadtgesellschaft. Dieser langen gemeinsamen Geschichte trägt auch das derzeit in der finalen Bauphase befindliche Jüdische Museum MiQua Rechnung, das unmittelbar neben dem Historischen Rathaus im Herzen Kölns jüdische Kultur und Stadtgeschichte auf einzigartige Weise verbindet. Ergänzt wird dies durch die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Köln und Tel Aviv-Jaffa sowie durch vielfältige wissenschaftliche, kulturelle und zivilgesellschaftliche Beziehungen zwischen Köln, Nordrhein-Westfalen und Israel.

Vor diesem Hintergrund stößt das Vorhaben eines Yad Vashem Education Centers in Köln auf breite gesellschaftliche und politische Unterstützung – in Rat und Verwaltung, in Religionsgemeinschaften, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Dieses übergreifende Engagement bildet eine verlässliche Grundlage für eine langfristige, nachhaltige und glaubwürdige Kooperation. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und des zunehmenden Antisemitismus kommt der Stärkung von Erinnerungskultur und historisch-politischer Bildung eine besondere Bedeutung zu. Köln bietet aufgrund seiner Geschichte, seiner internationalen Vernetzung, seiner Bildungslandschaft und seiner gesellschaftlichen Unterstützung in besonderer Weise geeignete Voraussetzungen, um ein Yad Vashem Education Center dauerhaft zu tragen.

 

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