Meine Bilanz als Vorsitzende des Bauausschusses
Rückblick auf das städtische Bauen in der vergangenen Ratsperiode
16.09.2025 Meldung KölnLiberal

Als erstes eine kleine Erläuterung meinerseits, um den folgenden Text extrem zu verkürzen. Eigentlich war ich die letzten fünf Jahre Vorsitzende von zwei Ausschüssen. (Bauausschuss und Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft). Beide Ausschüsse sind automatisch mit den gleichen Mitgliedern und eben auch Vorsitzenden besetzt und finden gemeinsam statt. Der Betriebsausschuss beschäftigt sich mit allen Bauten, die in Verantwortung der Gebäudewirtschaft liegen und/oder von der Verwaltung bei dieser beauftragt werden (alle Schulen, die meisten Verwaltungsgebäude, aber auch einzelne Museen).
Der Bauausschuss beschäftigt sich mit allen anderen kommunalen Bauvorhaben, die von den zuständigen Ämtern eigenverantwortlichgebaut werden wie z. B. geförderter Wohnungsbau oder auch Museen. Um es einfach zu halten, werde ich hier nicht differenzieren, sondern verallgemeinernd vom Bauausschuss reden.
Die vergangenen Jahre im Ausschusswaren für mich, als Vorsitzende und Mitglied der Opposition, eine Zeit voller Herausforderungen, Auseinandersetzungen und persönlicher Lernprozesse. Städtisches Bauen ist kein leichtes Feld: Widersprüchliche Interessen, komplexe Prozesse und der gesellschaftliche Druck, bezahlbaren, nachhaltigen und zugleich attraktiven Wohnraum zu schaffen, Museen wieder zu öffnen und Schulplätze zu errichten begleiten jede Sitzung.
Da der Bauausschuss eher ein Arbeitsausschuss denn ein ideologischer ist, haben wir viele gute Projekte gemeinsam, also parteiübergreifend auf den Weggebracht. Aber ich musste auch erleben, wie oft gute Ansätze an Mehrheiten, fehlendem Mut oder finanziellen Hürden scheiterten.
Die sehr formalistische Herangehensweise an das Thema Bauen mit allen Facetten (was, wer und wie) hat mich als Architektin, die in der freien Wirtschaft tätig ist, häufig verrückt gemacht. Die Wünsche des Rat Bündnisses an die Ausführung und deren Folgen in Bezug auf Kosten und Zeit haben mehr als nur einmal Kopfschütteln hervorgerufen.
Zu den positiven Erlebnissen zählt für mich, dass ich für meinen Antrag zur Qualitativen Bauberatung trotz der Oppositionsrolle breite Zustimmung allerdemokratischen Parteien erhalten habe und die Bauaufsicht, nach anfänglicher Beschwerde über die vermutete Mehrarbeit inzwischen Werbung mit der Umsetzung macht.
Doch ich habe auch persönlich erfahren, wie frustrierend es sein kann, wenn gute Ideen durch ideologische Vorbehalte abgeschmettert werden. So hatte ich etwa vorgeschlagen, Schulen heute schon so zu planen, dass wir sie bei rückläufigen Kinderzahlen auch anders nutzen können (z. B. als Seniorenheime oder Tagespflegeeinrichtungen). Hinter den Kulissenwurde ich von allen wegen dieser sinnvollen Idee gelobt, aber mit einer Mehrheit zustimmen konnte man dann doch nicht.
Meine Rolle als Vorsitzende in der Opposition hat mich gelehrt, nicht nur zu kritisieren, sondern selbst Lösungen vorzuschlagen. Besonders enttäuschend war für mich die Tatsache, dass viele Vorschläge zum schnelleren und günstigeren Wohnungsbau keine Mehrheit fanden. Der Mut für wirkliche Veränderung fehlt im Rat nach wie vor.
Beim Thema Nachhaltigkeit ist noch Luft nach oben. Auch wenn die Ansprüche an Neubauten hoch sind – höher als sonst in Deutschland – und wir die Kosten hierin die Höhe treiben, ist man beim Abriss von Gebäuden nicht so zimperlich. Wenn wir an den Bestand weniger Ansprüche als an den Neubau legen würden, würde die Klimabilanz am Ende besser sein, denn jeder Abriss, der nicht stattfindet, ist ein guter Abriss.
Gerade als Vorsitzende muss ich mich auch mit dem Thema Finanzen beschäftigen, also Geschäftsabschlüssen, Wirtschaftsplänen etc. Da mir das aber sogar nicht liegt, bin ich froh hier mit Ralf Eichelbaum-Röhl einen Fachmann als Sachkundigen Einwohner gefunden zu haben, der in dieser Zahlenwelt zu Hause ist und höchste Anerkennung bei der Verwaltung genießt. Mit Stephan Wieneritsch als Polit-Profi hatten wir somit ein super Team, welches alle Bereiche im Ausschussfachlich abdecken konnte.
Mein persönliches Ziel war und ist, dass städtisches Bauen günstiger und schneller wird.
Auch wenn viele Initiativen in diese und andere Richtungen noch nicht den Durchbruch geschafft haben, bin ich überzeugt, dass jedes einzelne Gespräch, jede kleine Veränderung ein Schritt in die richtige Richtung ist.
Die Herausforderungen sind weiterhin groß. Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass unsere Stadt lebenswertbleibt – für alle.
Der Rückblick auf diese Legislatur ist für mich Ansporn und Verpflichtung zugleich. Ich habe erlebt, wie viel möglich ist, wenn Engagement auf offene Ohrentrifft, aber auch, wie unermüdlich man manchmal kämpfen muss. Als Vorsitzende des Bauausschusses nehme ich diese Erfahrungen mit in die nächste Runde –mit Mut, Beharrlichkeit und der festen Überzeugung, dass wir gemeinsam unsere Stadt gestalten können.
Dieser Beitrag erschien zuerst in KölnLiberal.







