Mal wieder diskutiert Köln über den Bau von Hochäusern

Artikel aus der aktuellen KölnLiberalpai

04.08.2021 Meldung FDP-Kreisverband Köln

Köln wollte schon immer hoch hinaus: Die Stadt hatte 1880 mit seinem Dom das höchste Gebäude der Welt, 1924 mit dem Hansahochhaus das höchste Bürohochhaus Europas und mit dem Colonia-Hochhaus 1973 das höchste Wohnhochhaus des Kontinents und das höchste Deutschlands ist es wohl heute noch. Doch daran wurde – anders als in Frankfurt – nicht angeknüpft. Es fehlen einfach die Unternehmen, die sich mit einem entsprechenden Statement im Stadtbild verewigen wollen, wie das früher Ford oder die Lufthansa getan haben und die RheinEnergie ursprünglich mal vorhatte.

Bis vor kurzem hatte Köln noch 31 Hochhäuser, die höher als 60m waren. Jetzt ist es eins weniger, denn das ehemalige Funkhaus der Deutschen Welle am Raderberggürtel, das das Stadtbild im Kölner Süden in den letzten 40 Jahren städtebaulich und architektonisch bereichert hat, wurde schließlich nach und nach abgetragen. Nachdem die Sanierung des „großen Bruders“ nicht wirtschaftlich war, steht der Turm des Deutschlandradios jetzt etwas alleingelassen in der Skyline. Auf dem freigeräumten Gelände entstehen 700 Wohnungen in 5- bis 7-geschossigen Gebäuden.

Fast hätte es für den Bilanzverlust der Hochhausanzahl direkt einen Ausgleich gegeben. Ein Investor wollte an der Ecke Innere Kanal-/Subbelrather Straße zwei Hochhäuser mit 700 Wohnungen für Studentinnen und Studenten bauen. Doch die Grünen haben ihn – gedeckt von der CDU – mit Auflagen so lange „gemobbt“, bis er das Grundstück genervt verkaufte. Ob sich diese Chance wieder ergibt, steht in den Sternen, da der benachbarte Colonius unter Denkmalschutz gestellt werden soll und damit Hochhäuser im Umkreis unmöglich gemacht werden könnten.

Die FDP ist die einzige Fraktion, die in den vergangenen 20 Jahren konsequent für neue Gebäude-Solitäre in Köln gekämpft hat. So fand der KölnTriangle am Ottoplatz in Deutz allein durch die Liberalen eine Mehrheit. Während alle anderen politischen Richtungen vor der UNESCO einknickten, kämpfte man vergeblich um den Hochhauskranz um den Deutzer Bahnhof und den 120m hohen CologneOne des Stararchitekten Helmut Jahn auf der Ostseite. Immerhin wächst das neue LVR-Gebäude an der Südkannte als Ersatz für das ehemalige Ford-Hochhaus dank unserer Intervention von 60 auf 72m.

Doch es gibt tatsächlich aktuell zwei Investoren, die in Köln in die Höhe bauen wollen. Zum einen ist das der Eigentümer des Gerling-Quartiers Proximus, der das ehemals von Strauss-Innovation im Erdgeschoss genutzte 39m hohe Gebäude am Friesenplatz abreißen und durch einen Neubau ersetzen will. Das städtische Höhenkonzept von 2007 lässt an den Ringen Solitäre bis 60m zu. Es gibt im damaligen Beschluss sogar eine Checkliste für solche Hochpunkte. Dementsprechend hat der Stadtentwicklungsausschuss in seiner April-Sitzung die Fortsetzung der Planungen beschlossen.

Zum anderen will die DEVK ihren Standort am linksrheinischen Ende der Zoobrücke durch einen Büroturm ersetzen, der bis zu 145m – höher als der 157m hohe Dom darf es natürlich nicht werden – in den Kölner Himmel wachsen könnte, um dort alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Versicherung, die heute noch an verschiedenen Standorten verteilt untergebracht sind, unter einem Dach zu vereinen. Architekturentwürfe gibt es zu diesem Projekte natürlich noch nicht, denn die wären – wie am Friesenplatz - Ergebnis eines obligatorischen Wettbewerbs.

Wer jetzt denkt, die anderen Fraktionen rollen solchen Unternehmen, die in diesen schwierigen Zeiten in Köln ihr Geld investieren wollen, den roten Teppich aus, der irrt. Das Gegenteil ist der Fall. Je weiter man nach links geht, umso größer werden die Bedenken. Reflexartig wird nach einem Gesamtkonzept gerufen, was aber auch leicht zum Gesamtverhinderungskonzept werden kann. Denn schon der letzte Anlauf, ein neues Hochhauskonzept zu verabschieden, ist am mangelnden politischen Gestaltungswillen gescheitert. Nun gibt es ob der aktuellen Planungen einen neuen Versuch.

Dabei könnte alles so einfach sein. So hat Stadtkonservator Thomas Werner im Rahmen des zu diesem Zweck anberaumten Symposiums daran erinnert, dass bereits Stadtentwicklungsdezernent Werner Becker in den 70er Jahren die so sogenannte Schüsseltheorie prägte: Hochhäuser entstanden damals insbesondere entlang der Radialstraßen Ringe, Innere Kanalstraße und Gürtel an den Kreuzungspunkten mit den Ausfallstraßen. So haben Gebäude wie das Gerling-Hochhaus an der Riehler, das Unicenter an der Luxemburger oder die DKV an der Aachener Straße ins Stadtbild gefunden.

Neben den Radialstraßen sollte nach der damaligen Theorie auch der Rhein entsprechend betont werden. Dazu passt, dass bis 2018 fast klammheimlich im Mülheimer Norden mit dem Projekt Opal ein 67m hohes Haus am Mülheimer Rheinufer errichtet wurde. Und auch am Mülheimer Hafen soll im Rahmen des Städtebauprojektes Mülheim-Süd ein 90m-Turm errichtet werden. Hier sollten nach dem Hochhauskonzept von 2003 eigentlich fünf 120-Meter-Türme entstehen und am Deutzer Hafen vier. An letzterem und im Plangebiete Parkstadt-Süd gehen die Planungen aber derzeit nicht mehr über 60m hinaus.

Das Konzept sah auch Twin-Tower auf dem CFK-Gelände in Kalk mit je 100m vor. Doch die Flächen sind inzwischen anders genutzt. Überhaupt sind einige Hochhausprojekte in meinem Vortrag „Für Köln geplant – nicht gebaut“ dokumentiert. Das spektakulärste ist ein Hochhaus auf dem Breslauer Platz als Sieger eines Architekturwettbewerbes von 1994. Daran hätte die UNESCO sicher ihren Spaß gehabt, aber das war vor dem Welterbestatus des Domes. Ich hoffe, dass nach dem Studentenwohnheim an der Subbelrather Straße kein weiteres Projekt für den Vortrag dazu kommt.

In der Schüssel-Systematik, in die auch die genannten Projekte an der Subbelrather Straße, am Friesenplatz und an der Zoobrücke passen, könnten noch weitere Hochpunkte entstehen. So wie am Ende der A57, wo das Architekturbüro Bergblau 2012 ein 150m hohes Haus vis-a-vis zum Herkuleshochaus errichten wollte. Es könnte eine Torsituation an dieser wichtigen Achse bilden. Bisher ist das entsprechende Gelände mit einem auslaufenden Flüchtlingsheim, einer Lagerhalle mit Fitnessstudio und einem sanierungsbedürftigen Finanzamt belegt. Alles entbehrlich.

Die Sichtachsenanalysen in Richtung des Domes, der Romanischen Kirchen und anderer stadtbildprägender Gebäude aus den Höhenkonzepten von 2003 und 2007 gab es anlässlich der Schüsseltheorie noch nicht. Sonst gäbe es ein Gebäude wie das der DKV, welches über die A4 kommend am Frechener Berg den Blick auf den Dom fast verdeckt, nicht. Eine Kombination von beidem sollte am Ende eines sicher zähen politischen Prozesses das Ergebnis sein. Bleibt nur zu hoffen, dass dann auch noch die Investoren da sind, die entsprechende Hochhäuser bauen wollen.

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Ralph Sterck, MdR

Ralph Sterck, MdR

Vorsitzender der FDP-Ratsfraktion

Stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Ratsfraktion

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